05.10.2014 – Moncton – Bay of Fundy – Tidal Bore – PEI
Wir haben die Atlantikküste verlassen, fahren auf kleinen Straßen südwärts und schon bevor wir das Stadtgebiet von Moncton erreichen, sehen wir die Hinweisschilder zum Magnetic Hill. Diese Attraktion wollen wir uns nicht entgehen lassen.
An der Einfahrt zu dem magnetischen Hügel bezahlen wir 5 $CAN Eintritt und folgen den Anweisungen des Personals. Vor uns liegt eine Straße, die abschüssig ins Tal führt und ab der Mulde in der Mitte (siehe weißer Pfosten links) wieder ansteigt
Wir folgen der Straße bis zum Ende, dort wenden wir und kehren zurück bis zu dem weißen Pfosten in der Mulde. Hier schalten wir in den Leerlauf, lösen die Bremse und rollen wie von Geisterhand gezogen den Hügel wieder hoch.
Nächster Versuch: wir fahren hinunter bis in die Mulde, stoppen am weißen Pfosten, und im Leerlauf rollt Bussolino rückwärts immer schneller werdend den Hügel hinauf.
Beim Tritt auf die Bremse versagt die Magie, Bussolino bleibt stehen.
Es gibt verschiedene Theorien, das Phänomen der magnetischen Hügel zu erklären.
Ist es nur optische Täuschung, wenn Bussolino wie von magnetischen Kräften getrieben gegen alle Naturgesetze rückwärts den Hügel hinauffährt?
Abends finden wir einen Übernachtungsplatz an einem kleinen Fluss, und das Plätschern des Wassers wiegt uns in den Schlaf.
Nachts träumt Erika, dass eine magische Welle Bussolino erfasst und ihn rückwärts zu sich in den Fluss zieht.
Zum Glück war das nur ein Traum!
Wir können am nächsten Tag unsere Reise im Morgennebel unversehrt fortsetzen.
Die Bay of Fundy trennt New Brunswick von der Provinz Nova Scotia. Die über 200 km lange Bucht verengt sich gegen Nordosten von anfangs bis zu 60 Kilometern Breite auf nur 50 Meter. Bei Flut wird daher das Wasser mit ungeheurem Druck in diese Enge getrieben. Das Hochwasser läuft hier besonders hoch auf und erreicht 16 Meter Tidenhub bei Normalhochwasser, bei Springflut, insbesondere bei Vollmond, können es Höhen bis zu 21 Meter werden.
Gegen Abend erreichen wir mit Cape Hopewell die Hopewell Rocks in der Bay of Fundy. Es ist Ebbe, der Himmel ist verhangen und wir spazieren auf dem Meeresboden zwischen hohen Sandsteinfelsen.
Einige der mit Bäumen und Sträuchern bewachsenen Felsen sehen wie Blumentöpfe aus, “Flowerpots” werden sie auch genannt. Wenn man bei Flut hierher zurückkehrt, sind die Felsen fast vollständig vom Wasser verdeckt. Nur der Pflanzenbewuchs ist dann als „Insel“ sichtbar.
Schon bald wird es dunkel, wir müssen den Rückweg antreten. Im Vollmondlicht steigen wir die steilen Treppenstufen wieder hinauf zurück zum Parkplatz.
Am nächsten Morgen fahren wir den Petitcodiac River (wegen seiner Farbe auch Chocolate River genannt) stromaufwärts. In der Ortschaft Riverview finden wir einen Frühstücksplatz. Morgennebel liegt über dem Fluss, der hier 40 km vor seiner Mündung träge vor sich hin dümpelt.
Wir frühstücken gemütlich und verpassen dabei fast die Gezeitenwelle (tidal bore).
Hochwasser läuft in der Bay Fundy auf und drückt das Salzwasser in den Fluss. Es entsteht eine Gezeitenwelle, die entgegen der Strömungsrichtung des Flusses verläuft, so dass der Fluss nun scheinbar rückwärts fließt. Die Vollmondphase verspricht ideale Bedingungen, heute kommt die Flutwelle mit beachtlichen ca. 50 cm Höhe perfekt angerollt. Innerhalb kurzer Zeit ist der Fluss bis zur Ufer-Oberkante gefüllt. Wir erfahren, dass bei Vollmond und Springflut Surfer bis zu 29 km auf dieser gewaltigen Welle den Fluss hinauf surfen...

[vimeo]<iframe src="
https://player.vimeo.com/video/128671667" width="640" height="360" frameborder="0" allow="autoplay; fullscreen" allowfullscreen></iframe>[/vimeo]
Beim Anblick des Chocolate Rivers bei Ebbe könnte man an „Schokolade zum Sattessen“ oder an ein „Schokoladenbad“ denken. Man könnte die Masse aber auch als schokoladenbraunen Schlamm bezeichnen
Wir fahren das Nordufer bis zur Mündung in die Bay of Fundy hinunter und sehen unterwegs am Wegesrand die hübsche Kapelle Sainte Anne de Beaumont (Ancienne Chapelle des Mi’kmaks).
Mündung des Memramcook Rivers in die Bay.
Wir finden einen netten Platz für eine kurze Rast. Die Rast wird noch kürzer als geplant, weil wir von Moskitos attackiert werden. Moskitos im Oktober hatten wir hier nicht erwartet. Leute erzählen uns, „wer in Memramcook ein Haus verkaufen will, sollte bis zum Winter warten. Während der übrigen drei Jahreszeiten werden potentielle Käufer von den lästigen Mücken in die Flucht getrieben.“
Von New Brunswick aus planen wir einen Besuch der kleinsten Provinz Kanadas, Prince Edward Island (kurz PEI genannt). Die Insel PEI erreichen wir über die 13 km lange Confederation Bridge, die ein Teilstück des Trans-Canada-Highways bildet.
Ein Blick hinüber … unser Übernachtungsplatz bietet Aussicht auf die Brücke und die Insel
Am nächsten Morgen fahren wir hinüber nach PEI. Eine Maut wird erst fällig, sobald man die Insel wieder verlässt (entweder über die Confederation Bridge oder per Fähre durch die Northumberland Street nach Nova Scotia).
In Kanada kennt jedes Kind „Anne of the Green Gable“,
die Hauptperson in Lucy Maud Montgomerys gleichnamigen klassischen Kinderroman.
Da „Anne auf Green Gables“ das Lieblingsbuch der Schriftstellerin Astrid Lindgren war, ist die temperamentvolle rothaarige Anne als Inspiration für ihre Romanfigur Pippi Langstrumpf anzusehen.
In der Ortschaft Cavendish, wo die Autorin aufwuchs und die Geschichten schrieb, begegnet man Anne auf Schritt und Tritt. Das Haus mit den grünen Giebeln kann man besichtigen.
Sogar jetzt in der Nachsaison an einem ganz normalen Wochentag strömen die Besucher in Bussen herbei, besonders viele Japaner sind unterwegs (in Japan ist Anne of the Green Gable sehr populär).
Wir ziehen lange Strandspaziergänge an der nahen Küste vor
PEI ist Agrar-Land,
und jetzt Anfang Oktober ist Kartoffelernte
Im Vorjahr konnten wir hier im September einen Beeren-Vollernter beobachten
und einen Blick in die Beerenkiste werfen: frisch geerntete Blaubeeren …
Das Blaubeerfeld, vier Wochen später im Herbstkleid …
Lustige, liebevoll gestaltete Briefkästen fallen uns auf
und auch der Original School Bus parkt in unmittelbarer Nähe des gelben Briefkastens
Im Charlottetown Visitor-Center blicken wir aus dem Fenster und staunen über elegant gekleidete junge Leute, die auf riesigen roten Plastikziffern herumhüpfen.
Des Rätsels Lösung erfahren wir beim Hinausgehen: die jungen Leute posieren für ein originelles Hochzeitsfoto aus dem Jahr 2014. Auch wir dürfen ein Foto machen.
Auf Scenic Routes setzen wir unsere Rundreise fort. Jetzt im Herbst sind diese Pisten ganz besonders malerisch, und dafür nehmen wir gerne einen Umweg in Kauf
Zu unseren Lieblingsplätzen auf PEI gehört dieser kleine Strand westlich vom Wood Island Fähranleger, den wir noch einmal besuchen.
Für unseren Abschiedsabend auf der Insel haben wir uns einen Übernachtungsplatz mit Blick auf die Northumberland Strait gesucht: wir erleben einen letzten beeindruckenden Sonnenuntergang mit unglaublichen Himmelsfarben, die die Landschaft in ein unwirkliches Licht tauchen.
