Restaurationsbericht "Greta"

Moderator: Jumpy

maxvor
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Restaurationsbericht "Greta"

Beitrag von maxvor » Mo 9. Nov 2020, 21:34

Hallo IG16-Gemeinde,

da ich im Bulliforum und im Netz nie genug bekommen konnte von all den Restaurationsberichten und Bildbändern, möchte ich euch hier mein Syncroprojekt vorstellen und euch so gut es geht mit Bildern und Geschichten versorgen. Da ich selbst sehr viel Wissen aus solchen Berichten ziehen konnte, möchte ich über diesen Weg etwas zurückgeben.

Nun zum Projekt:

Ich habe im September einen Syncro erstanden, welcher um die Ecke stand und preiwert abzugeben war. Der Bus stammt ursprünglich aus Österreich (vermutlich vom Katastrophenschutz, aber vielleicht könnt ihr anhand der Bilder und der Details wie nahentstörte Wischermotoren oder aber die Verstärkung im vorderen Dachbereich, welche möglicherweise auf ein Blaulicht zurückzuführen ist) mir noch weitere Details dazu liefern. Der Bus ist im Anschluss nach Brixen gewandert, wo er "restauriert" wurde, d.h. die üblichen Stellen wurden mit ordentlich Spachtel und deren Konsortien verunglimpft. Der letzte Besitzer, also mein Verkäufer, hat den Wagen schließlich aus Italien importiert und angefangen, den Lack an diversen Stellen anzuschleifen. Dabei ist ihm dann bewusst geworden, dass der Bus mächtig vergammelt ist und er dieses Projekt sowie Hausbau und Nachwuchs betreuen wohl nicht mehr bewerkstelligen kann.

Da ich jedoch der Meinung bin, dass jeder Syncro es wert ist, restauriert zu werden, habe ich mich von den bösen Stellen nicht abschrecken lassen und den Bus inklusive haufenweise Reparaturbleche, neuen Lampen hi/vo, einem neuen Primetech Dachzelt, frisch gepulverten 16" Stahlfelgen und und und zu meinem Eigentum gemacht.

Zum Bus selbst: Der Bus wird von vorne nach hinten immer schlechter. Die Trittstufen sind durch, die B-Säule ist komplett futsch, ebenfalls sind die Fugen an der C-Säule in einem miserablen Zustand. Weiterhin machen die Längsträger hinten keinen besonders guten Eindruck mehr. Dass die Schiebetürschiene ganz gut zurecht gefuddelt wurde, ist dann wohl nur noch ein kleineres Übel.

Ich habe nun angefangen, den Wagen komplett Zurückzubauen. Der Motor und das Getriebe sind draußen, ebenfalls ist in der Fahrgastzelle nur noch der Lenkstock sowie die Brems- bzw. Kupplungsgarnitur vorhanden. Es muss noch der Hauptkabelbaum demontiert werden, dann ist er fast vollständig entkernt. Im Anschluss möchte ich den Dreck im Motorraum sowie am Unterboden mit einer Dreckfräse für den Hochdruckreiniger entfernen.
Die nächsten Schritte wären dann die Rostentfernung mittels CSD-Scheiben. Und dann schauen wir weiter.

Gespannt bin ich, was ihr zum Wagen sagt. Weiterhin freue ich mich über den Austausch mit euch und über produktive Diskussionen, wie wohl am schlausten vorgegangen werden sollte bei der Restauration.
IMG_7511.jpg
Motorraum
IMG_7456.jpg
Der Bus abgeschliffen auf Rampen
IMG_7453.jpg
Fahrgastzelle ohne Wärmetauscher / Gebläse
IMG_7450.jpg
Unterboden, Blick auf die Längsträger
IMG_7449.jpg
Unterboden, Blick auf den anderen, schlimmeren Längsträger
IMG_7438.jpg
Fahrgastzelle während der Zerlegung
IMG_7388.jpg
Kabelbaum mit Markierungen der einzelnen Stränge

Ich wünsche euch viel Spaß mit den bald folgenden Beiträgen. Einen guten Montag Abend und liebe Grüße,

Max

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CBS
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Re: Restaurationsbericht "Greta"

Beitrag von CBS » Di 10. Nov 2020, 05:28

Moin,

sehr schön ich bin gespannt wie es weiter geht.
Chemisch oder thermisch entlacken willst du nicht wenn du schonmal soweit bist?

Grüße
Achim
Bild mit Autogas

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16_PMS
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Re: Restaurationsbericht "Greta"

Beitrag von 16_PMS » Di 10. Nov 2020, 09:16

Bin auch gespannt wie es weiter geht ;-)
Als ich das Fahrwerk gesehen habe, wollte ich schon schreiben wie Du damit zufrieden bist, aber ich denke zum testen kam es nicht?!
Gruß
Tom
"Benzin genüsslich abfackeln"

Joachim
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Re: Restaurationsbericht "Greta"

Beitrag von Joachim » Di 10. Nov 2020, 09:50

CBS hat geschrieben:
Di 10. Nov 2020, 05:28
Moin,

sehr schön ich bin gespannt wie es weiter geht.
Chemisch oder thermisch entlacken willst du nicht wenn du schonmal soweit bist?

Grüße
Achim
Hallo Max,
ich bin auch sehr gespannt, wie es bei Dir weitergeht. Kann mich da nur Achim anschließen. Wenn wirklich schon alles draußen ist, dann chemisch entlacken, entrosten und KTL beschichten lassen. Damit sparst Du die Zeit mit Hochdruckreiniger, Sandstrahlen, Eisstrahlen und Spachtelmasse abkratzen.


Viele Grüße,
Joachim

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Christoph
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Re: Restaurationsbericht "Greta"

Beitrag von Christoph » Di 10. Nov 2020, 11:06

Ich schließe mich den Vorrednern an: Wenn der sowieso total zerlegt wird investiere in eine Tauchbadentlackung/KTL-Beschichtung. Kostet erst mal viel, aber Du sparst Dir viel Arbeit auch viele andere Kosten. Und das hast dann das optimale Endergebnis.
T3 16" Westfalia und T3 16" Jagdwagen mit Schiebedach

reidiekl
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Re: Restaurationsbericht "Greta"

Beitrag von reidiekl » Di 10. Nov 2020, 11:43

Hallo Max,

das durchzustehen wird ein Akt. Kann mich meinen Vorrednern nur anschließen und hoffe Dir ist bewußt auf was Du Dich da einläßt. Ich will nicht kritisieren, habe aber den Eindruck, dass an diese Aufgabe ohne ein durchdachtes Konzept herangegangen wurde (Stichwort: blankgeschliffene Karosserie, gleichzeitig gestrippter Innenraum und dazu noch Arbeiten am Unterboden bei noch montiertem Fahrwerk). Lies Dir mal in diesem Thema
viewtopic.php?f=32&t=1427&start=110
die Seiten 12 und 13 durch, Stichwort KTL-Beschichtung.
Hast Du eine Vorstellung, was die Sanierung kosten darf? Oder anders ausgedrückt wieviel willst Du an Geld investieren? Daran orientiert sich was man alles und wie macht. Du schreibst: "der Bus wird von vorne nach hinten immer schlechter". Hast Du mal die sog. Syncrobeule untersucht um zu wissen was da noch auf Dich zukommen kann?

Mich würde mal interessieren, nach welchem Plan und in welcher Reihenfolge diese unterschiedlichsten Arbeiten angegangen werden, und mir überlegen wie ich das alles koordiniere und arbeitstechnisch optimiere. Ich weiß ein wenig wovon ich spreche. Habe mir vor Arbeitbeginn allein für die Sanierung der unzähligen Einzelkomponennten des Fahrwerks einen Teile- und Lackierplan erarbeitet, was ich wie mit welchen Maßnahmen entroste, grundiere, lackiere mit welchen Produkten und in welcher Farbe. Habe dann versucht gleiche Einzelschritte auf die entsprechenden Autoteile in einem Arbeitsgang durchzuführen. Selbst wenn das nicht immer geklappt hat, konnte ich die geplanten Arbeitsschritte jeweils im Plan nachschauen. Je umfangreicher die Arbeiten sind, desto leichter kommt man durcheinander.

Das alles ist nicht böse gemeint, im Gegenteil. Vielleicht hilft es Struktur in Dein Projekt zu bringen. Ich wünsche viel Freude und letztendlich vollen Erfolg bei der Vollsanierung.

BG - Reinhard

maxvor
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Re: Restaurationsbericht "Greta"

Beitrag von maxvor » Di 10. Nov 2020, 18:21

Hallo zusammen,

vielen lieben Dank für das Feedback :-) Ich möchte gerne euren Fragen nachkommen.
@Tom: Das Fahrwerk konnte ich leider nicht testen. Habe den Bus gekauft, ohne ihn zu fahren, da dies einfach nicht möglich war. Wäre allerdings selbst sehr gespannt :mrgreen:
IMG_7521.jpg
Hier der Zustand, wie ich ihn ergattert habe.

Und auch danke Reinhard! Dafür ist das Forum doch da und ich freue mich, dass du mitdenkst und mich vor möglichen Fehlern bewahren möchtest. Daher will ich auch das erläutern.
Der Vorbesitzer hat wild angefangen, den Bus abzuschleifen, da er sehen wollte, was genau da unter dem Lack so schlummert. Das sind also alles Überbleibsel, welche ich so übernommen habe. Bisher war KTL für mich nicht im Fokus, da ich es bisher für zu teuer und zu aufwändig hielt. Ich sollte dies nun nochmal genauer betrachten.
Da, wo üblicherweise die Syncrobeule vorhanden ist, hat der Bus keine Probleme. Daher meine Ausführung, dass er vorne noch verhältnismäßig gut aussieht. Mein Plan sah bis heute noch so aus:

Ich wollte alles (außer das Fahrwerk) demontieren, um zu schauen, wie er wirklich untendrunter aussieht. Gerade beim Tank wollte ich es genau wissen. Der nächste Schritt wäre das Bearbeiten mit einem Hochdruckreiniger, um haufenweise Dreck aus der Karosserie zu entfernen. Im Anschluss wollte ich am Unterboden partiell Sandstrahlen (wir haben einen riesigen, alten Kompressor und eine Sandstrahlpistole, mit der ein passender Durchsatz bei entsprechendem Druck gewährleistet werden kann), d.h. dass ich nur dort strahlen wollte, wo ich sicher sein kann, dass ich nichts in irgendwelche Hohlräume blase. Die restlichen Stellen wollte ich mittels CSD-Scheibe anschleifen. Als nächstes sollten die Längsträger und die Querträger vorne geschweißt werden. Nach Abschluss der Arbeiten wollte ich Mipa 2K EP Grund rollen, darüber Eisenglimmer. Erst dann würde ich das Fahrwerk demontieren, um den U-Schutz aus den Radläufen zu entfernen. Da die Radläufe außen schlimm aussehen, müssten dann alle angliedernden Blechteile ersetzt werden, bevor anschließend die gleiche Grundierung folgt. Im Anschluss würden die Karosseriebleche oben fertig schweißen.

Nun wiederum meine Fragen zum Vorgehen, wenn KTL infrage käme.
Wenn ich KT-lackiere, dann ist es in meine Augen sinnvoll, wenn ich vorher sämtliche Schweißarbeiten durchführe. Das hieße jedoch, dass ich zuerst entlacke, dann die Karosserie wieder abhole und dann anfange zu schweißen - jedoch würde ja in der Zwischenzeit das Blech wieder anfangen, Flugrost anzusetzen. Was würdet ihr an der Stelle vorschlagen?

Danke euch, ich freue mich schon auf Rückmeldungen!
Gruß Max

Ergänzung:

Ich habe mir die vermerkte Doku von Reinhard nochmal vollständig angeschaut. Das ist natürlich eine Wunsch- und Premiumrestauration, aber mit dem Wagen würde ich ja nicht mehr vor die Tür fahren. Ich möchte den Syncro einsetzen, festfahren usw...Vielleicht muss es nicht an jeder Stelle die absolute Perfektion aufweisen :-)

reidiekl
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Re: Restaurationsbericht "Greta"

Beitrag von reidiekl » Di 10. Nov 2020, 18:57

Hallo Max, das mit KTL und der dann noch folgenden Fahrzeuglackierung ist sicherlich der größmögliche Arbeits- und Kostenaufwand. Dafür muss die Karosse vollständig gestrippt sein. Der KTL-Ablauf erfolgt in 4 Arbeitsschritten (sh. unter dem oben genannten Link). Nach Schritt 1 und 2 (Wärnebehandlung und Entlackung) sollten zunächst alle Karosserie- und Schweißarbeiten ausgeführt werden. Danach erst Schritt 3 (Entrostung) und 4 (kathiodische Tauchlackierung). Alle ausgebauten Teile müssen aber auch noch saniert werden und das dauert! Daher bin ich so erschrocken, als ich die schon großteils abgeschliffene Karosse gesehen haben, ohne dass unterseitig überhaupt irgend etwas instandgesetzt wurde. M.E. ist die Fahrzeuglackierung erst sinnvoll, wenn Fahrwerk und unten rum die Arbeiten fertig sind. Es ist wenig sinnvoll erst die "Optik" erledigen zu wollen und dann erst die "Grundlagen" in Angriff zu nehmen, abgesehen vom finanziellen Kraftakt für die "Optik".

Ich würde, wenn KTL ein Thema ist, die angeschliffene Karosserie gegen weitern Rostansatz mit einem Wachs schützen, damit dort in der Zwischenzeit (x Jahre) nichts passieren kann. Diese Wachsschutzschicht wird im KTL-Schritt 1 problemslos ohne Zusatzaufwand wieder entfernt. Derweil hättest Du Ruhe und Zeit für all die anstehenden unendlichen Sanierungsschritte. Es dauert sowieso immer länger als geplant. Rate mal woher ich das weiß.

BG - Reinhard

Nase27
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Re: Restaurationsbericht "Greta"

Beitrag von Nase27 » Mi 11. Nov 2020, 07:44

Schöne Aufgabe. :)

Aber : Lern aus meinen Fehlern...

Wie die anderen bereits gesagt haben : erst basics und Technik fertig machen, Optik kommt zuletzt.

Ich hab erst lackiert und mich dann doch für eine aufwendige unterboden-Sanierung entscheiden...
Eistrahlen, kautschuk komplett entfernen, schweissen, lackieren und fettpampe als u-Schutz wäre vor dem Lackieren der Karosse besser gewesen.

Wachs und andere Rostschutzmittel auf der Karosse bitte nur auftragen, wenn du sicher bist, dass du klt möchtest. Lackieren auf fett-Resten wird kein spaß

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16_PMS
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Re: Restaurationsbericht "Greta"

Beitrag von 16_PMS » Mi 11. Nov 2020, 09:21

maxvor hat geschrieben:
Di 10. Nov 2020, 18:21
Hallo zusammen,

vielen lieben Dank für das Feedback :-) Ich möchte gerne euren Fragen nachkommen.
@Tom: Das Fahrwerk konnte ich leider nicht testen. Habe den Bus gekauft, ohne ihn zu fahren, da dies einfach nicht möglich war. Wäre allerdings selbst sehr gespannt :mrgreen:
Danke für die RM.
Bin halt nicht sicher ob ich das neue Fahrwerk verbauen soll?
Vorne sind neu Bilstein und hinten wären dann die Trailmaster inkl. 4cm höhere Federn verbaut.
Ob das was kann??

Wegen KTL:
Hab e ich zwar selbst noch nicht gemacht, aber um die Ecke ist ein Anbieter.
War mir persöhnlich zu teuer.
Aber wenn, würde ich alles heraustretten bzw. öffnen , damit das ganze gut entrostet wird und die Beschichtung überall hinkommt.
Ich habe dort z.B.nen T2 ohne Frontmaske gesehen.
Top wäre, den T3 in alle Blechteile zu zerlegen, KTL Programm und alles wieder zusammen schweißen...aber wer macht das schon.
Wenn man es aber nicht so macht, wirst kein 100% Ergebniss haben.

VG
Tom
"Benzin genüsslich abfackeln"

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