Bremssattel überholen

Moderator: Jumpy

reidiekl
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Bremssattel überholen

Beitrag von reidiekl » So 17. Sep 2017, 14:26

Hallo zusammen,

überhole z. Zt. meine 25 Jahre alten Girling-Bremssättel. Diese liegen nun schon über eine Woche im Entrosterbad - und immer noch sind Rostreste vorhanden. Ist eine ziemlich langwierige Prozedur.

Habe eine Frage zu den weiteren Arbeitsschritten. Wie würdet ihr die Bremssättel behandeln um gleichermaßen einen dauerhaften Rostschutz und auch ein ansprechendes optisches Erscheinungsbild zu bekommen?

Ursprünglich dachte ich an eine dauerhafte Metallveredelung plus Farbbeschichtung. Tendiere jetzt aber eher nur zu einer entsprechenden mehrschichtigen Lackierung (Grundierung und Decklack ohne galvanisieren o.ä.), die ich selbst ausführen kann.

Zur Information: Das Fahrwerk vorne wurde bereits komplett überholt und die noch ausstehenden Bremsen sollen natürlich qualitativ dazu passen.
Die Fahrwerksteile aus Stahl wurden alle sandgestrahlt, feuerverzinkt und lackiert. Die Gussteile ebenfalls sandgestrahlt, anschließend gestrichen mit Rostkonverter, 2 x Ovagrundol und 2 x Chassislack.
Der Unterboden ist gesäubert, muss aber noch behandelt werden und auch ein kleines Loch ist zu schweißen.

Wie behandelt man heutzutage entsprechend die Bremssättel, die vor 25 Jahren wohl nur diese schlechte Gelbverzinkung kannten.

Beste Grüße - Reinhard

Und hier noch ein paar Potos zur Veranschaulichung:
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typfred
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Re: Bremssattel überholen

Beitrag von typfred » So 17. Sep 2017, 21:15

Bremssattellack ist eigentlich auch ausreichend. Allerdings hätte ich mir bei dem Zustand Neuteile gekauft. Scheiss aufs Geld. Solange der Teile nicht restlos rostfrei sind lohnt sich die Lackierung nicht.

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Joschi
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Re: Bremssattel überholen

Beitrag von Joschi » Mo 18. Sep 2017, 09:14

Hallo Reinhard,
ich hab das alles vor 2 Jahren an meinem 2WD gemacht. Sehe das auch so: wenn nicht komplett rostfrei dann kann man sich das fast sparen da wie sicherlich bekannt über kurz oder lang alles wieder durch kommt.
Habe die Teile (u.a. auch deine gezeigten Bremssattelträger) mit dem Dremel erstmal kräftig entrostet so dass das nur noch kaum sichtbare Poren übrig geblieben sind. Dann noch etwas gestrahlt und anschließend mit Brantho Korrux (erste Schicht nitrofest, dann 2..3 Schichten 3in1) lackiert.
Erfahrung bisher: 15 TKM (Urlaub und Alltag). Hatte dabei die Bremsen bei Passabfahrten auch schon gut warm. Hält bisher ohne Probleme.

Zwei Bilder dazu:

Bild

Bild

Grüße, joschi
the worst day on the track is better than the best day at the office

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T3 Klappdachcamper 2WD: fahrende Baustelle
T3 Hochdachsyncro 4WD: im Aufbau (KLICK)

reidiekl
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Re: Bremssattel überholen

Beitrag von reidiekl » Mo 18. Sep 2017, 12:09

Danke für Eure beiden Beiträge.
Solange die Teile nicht restlos rostfrei sind lohnt sich die Lackierung nicht.
Sehe das auch so: wenn nicht komplett rostfrei dann kann man sich das fast sparen da wie sicherlich bekannt über kurz oder lang alles wieder durch kommt.
dakor, deswegen liegen die Teile auch immer noch und schon die zweite Woche im Entrosterbad. Ist scheinbar eine elend lange Procedur. Habe Deox C verwendet und frage mich, ob evtl. Phosphorsäure besser und oder schneller gewesen wäre.

Habe vor den Bremsen schon die gusseisernen Achsteile saniert. Diese wurden gestrahlt und zusätzlich mit Rostkonverter eingepinselt. Bei sandgestrahlten Gussteilen kann man quasi zusehen, wie die direkt nach dem Strahlen sofort wieder anfangen zu rosten, insbesondere bei etwas höherer Luftfeuchtigkeit.

Die Bremsenteile habe ich wegen den Zylinderbohrungen nicht sandstrahlen lassen. Sind aber auch Gussteile und dürften ebenfalls wieder schnell Porenrost ansetzen. Deswegen wollte ich diese ebenfalls mit Rostkonverter vorbehandeln, was dann wohl eine galvanische Verzinkung ausschließt? Von der ich auch nicht überzeugt bin. Also bleibt nur eine gute Lackierung übrig.

Welche Unterschiede gibt es hinsichtlich der speziellen Lacke für Bremsen? Brantho-Korrux ist sogar, je nach Farbton, Temperaturbeständig bis 300°C, während bei einem speziellen Bremsenlacken "nur" 250°C angegeben sind und Farbveränderungen ab 170°C möglich sind. Was taugen diese speziellen Bremsenlacke?

Beste Grüße - Reinhard

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CBS
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Re: Bremssattel überholen

Beitrag von CBS » Mo 18. Sep 2017, 13:07

Hi Reinhard,

wir behandeln hier das rostig Zeugs erst mit Phosphorsäure, dann gehts zum Verzinker. Der hängt das auch nochmal in ne Säure, ich glaube Salzsäure, und dann wirds verzinkt. Die Schichtdicke liegt deutlich über dem üblichen Baumarktwinkel/schrauben Kram.
Ich hab meine sättel damals nur gestrahlt und dann mit der Dose lackiert, Wegrosten werden die nicht, sieht halt unschön aus. Das Ganze ist nun 2 Jahre her, ich mach bei Gelegenheit mal ein Foto vom Ist-Zustand.

Grüße
Achim
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Re: Bremssattel überholen

Beitrag von reidiekl » Mo 18. Sep 2017, 15:41

Wegrosten werden die nicht, sieht halt unschön aus.
Hallo Achin,
ja genau. Das Wegrosten befürchte ich auch nicht. Sieht aber schrecklich aus. Dieser Bremskraftminderer ist auch so ein Rostbrocken - schrecklich! Wenn dann alle Achsteile überholt sind sollten auch die Bremssättel zum Gesamtbild passen.
Wie ist die genaue Bezeichnung für diese Verzinkung beim Fachmann (da werden ja die unterschiedlichsten Begriffe für verwendet) und was kostet das für die beiden vorderen Sättel? Wenn man die dann noch lackieren möchte ist wieder eine Spezialfarbe erforderlich, die darauf hält, was aber nicht das Problem wäre.

Wenn ich doch verzinken lasse, dann müsste sich der Verzinker mit dem Restrost rumschlagen :dance , wäre auch nicht schlecht.

Wie lange hängen bei Euch die Bremssättel im Phosphorsäurebad?

Beste Grüße - Reinhard

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Re: Bremssattel überholen

Beitrag von CBS » Mo 18. Sep 2017, 15:46

Hi,

kann ich mal nachfragen @Verzinker
Die liegen so 1-4 Tage je nach Teil und Rostgrad.

Grüße
Achim
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Re: Bremssattel überholen

Beitrag von T3_Horst » Mo 18. Sep 2017, 21:51

Also hier mal meine Erfahrung:

Ich habe 2010 die komplette Vorderachse gemacht danach hat der Bus noch 3 oder 4 Winter gesehen, inzwischen nur noch Saison

Die Achsteile und den Fahrschemel ließ ich Strahlen und Pulverbeschichten -> die Gussteile rosten mittlerweile ein wenig

Die Bremssättel ließ ich Sandstrahlen und die Zylinder wurden Glasperlengestrahlt. Die ganze Strahlerei zusammen hat glaub ich 190€ gekostet

Ich wusste dann auch nicht so recht was ich mit den Sätteln machen sollte und hab sie dann einfach mit Zinkspray behandelt, sonst nichts weiter.

Im Oktober habe ich vorne Scheiben und Beläge gewechselt und die Sättel sind praktisch immer noch rostfrei.

Leider weiß ich nicht welches Zinkspray das damals war, aber ich vermute ich hab das damals schon beim Discounter (Norma) gekauft...
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typfred
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Bremssattel überholen

Beitrag von typfred » Mo 18. Sep 2017, 21:56

Also zum Säurebad muss ich sagen das es schon die beste Lösung ist den Rost sanft zu entfernen. Ähnlich des abbeizens. Es verhindert aber auf jeden Fall die Gefahr der Oberflächenverdichtung und somit Versprödung, die Entstehung von Mikrorissen in der Oberfläche wie beim Sandstrahlen. Kommt aber auch auf das Strahlgut an. Alu zB sollte man definitiv nicht strahlen. Allerdings bildet sich bei der Liegezeit im Bad eine Art Salzschicht über dem Korrosionsherd. Du musst das Teil mindestens einmal pro Tag rausnehmen und die Roststellen wieder mit der Stahl-Drahtbürste "aktivieren". Dann geht es schneller.
Reine Phosphorsäure ist auch nicht immer die allerbeste Lösung. Ich benutze sehr gern Purux Rostumwandler 5L für 17€ bei Amazon. Das ist eine Kombination aus Phosphor und Zitronensäure. Es ist dünnflüssiger und geht deshalb leichter in die Poren. Hat aber einen höheren Verdunstungsgrad.

Wichtig ist, wenn der Rost komplett entfernt ist, dann das Teil nochmal mechanisch reinigen, nochmal für ein paar Stunden in saubere Säure legen bis sich die Oberfläche dunkelgrau färbt. Dann bildet sich eine Passivschicht auf dem Stahl welche ihn zusätzlich vor Korrosion schützt. Dann nur noch mal mit Wasser abspülen und mit der Heisluftpistole trocknen. Nicht mehr drauf rum schleifen sonst holst du ja die Schicht wieder runter.
Das solltest du allerdings nur machen wenn Du nicht verzinken möchtest.

Festgestellt habe ich auch, das man bei der Bearbeitung des feuchten Metalls mit einer Messingbürste eine galvanische Übertragung des Messings (Kupfer/Zink) auf den Stahl erhält. Somit hast du auch eine Verzinkung. Die Oberfläche verfärbt sich dann gelb.

Müsste man mal testen wie das ist wenn man eine Messing Stange einfach mit dazu ins Bad legt. Ob sich da die Elektrönchen von allein auf den Stahl ablegen. Geht bestimmt noch schneller wenn man entsprechend Strom drauf macht. Anode-Kathode halt. Dann kann man das auch daheim machen, ne Autobatterie sollte dafür reichen.
Man muss nur auf die richtige Polung achten.

fatz
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Re: Bremssattel überholen

Beitrag von fatz » Di 19. Sep 2017, 02:01

Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit Essig.

Oberfläche grob reinigen, dann ab in den Essig. Von Tag zu Tag mal nachschauen und nochmal mech. reinigen. Dann wieder rein (neuer Essig).
Viele Blechkleinteile, Eisenteile wie Schrauben, Halter etc. bisher bearbeitet.
Noch keine Bremsenteile.

Danach gut mit Wasser abspülen und abbürsten und sofort weiterschützen.

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